Inklusion in Riegelsberg

In unseren Grünen Dialogen Riegelsberg sprechen wir mit Menschen über Themen, die ihren Alltag prägen. Dieses Mal haben wir uns mit Domenica S. getroffen, um über Inklusion zu sprechen. Ein Thema, das für viele Familien nicht abstrakt, sondern tägliche Realität ist.

Ihr sechsjähriger Sohn benötigt Unterstützung und wird im kommenden Jahr von der Kita in die Regelschule wechseln. Ein Übergang, der für viele Eltern mit Unsicherheiten verbunden ist: Wird ihr Kind gesehen? Wird es unterstützt? Wird es in seiner Entwicklung ernst genommen? Domenica S. beschreibt diesen Schritt als „Hoffnung und Sorge zugleich“.

Im Gespräch wird deutlich, wie sehr sich Frau S. alleingelassen fühlt. Sie berichtet von komplexen Strukturen, die schwer zugänglich sind, von bürokratischen Hürden, fehlender Transparenz und mangelnder Anerkennung ihrer Situation. Gleichzeitig zeigen sich im öffentlichen Raum weiterhin Barrieren, die Teilhabe erschweren: Spielplätze, die nicht inklusiv gestaltet sind, fehlende barrierefreie Wege, zu wenig Orte, an denen Kinder mit und ohne Förderbedarf selbstverständlich miteinander spielen können.

Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall. Sie spiegeln eine Realität wider, die viele Familien im Saarland betrifft. Im Schuljahr 2023/24 besuchten im Saarland 3.744 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Förderschule. Aber auch an Regelschulen und besonders in Kindergärten gibt es viele Kinder mit Förderbedarf (konkrete Zahlen hierzu erhebt das Saarland nicht mehr). Das Problem: Eine Mehrheit dieser Kinder ist auf IntegrationsassistentInnen angewiesen, um überhaupt die Regeleinrichtungen besuchen zu können. Aber auch hier herrscht, wie in viele anderen Bereichen des Bildungssystem, ein Mangel an Arbeits- und Fachkräften. Für diese Kinder entscheidet also die inklusive Infrastruktur darüber, ob Teilhabe für sie gelingt oder scheitert.

Positiv sieht Domenica S., dass Riegelsberg nach langer Suche endlich eine Behindertenbeauftragte hat. Dieser Schritt ist wichtig, weil er zeigt: Die Gemeinde erkennt an, dass Inklusion nicht „nebenbei“ passiert, sondern aktiv gestaltet werden muss. Eine Behindertenbeauftragte kann Missstände sichtbar machen, Familien unterstützen und politische Entscheidungen mit Expertise begleiten. Doch Frau S. betont auch: Eine Stelle allein reicht nicht. Es braucht ein echtes Mitdenken – in Verwaltung, Politik und Alltag. Inklusion darf kein Schlagwort bleiben, sondern muss spürbar werden: auf Spielplätzen, in Schulen, in Vereinen, in der kommunalen Planung. Ihr Wunsch ist klar: Mehr Sichtbarkeit, mehr Unterstützung, mehr echtes Mitdenken von Inklusion im Alltag in Riegelsberg. Dieser Wunsch ist nicht nur persönlich, sondern politisch legitim: Deutschland hat die UN‑Behindertenrechtskonvention (UN‑BRK) bereits 2009 ratifiziert. Damit hat sich die Bundesregierung, und damit auch jedes Bundesland und jede Kommune, verpflichtet, Barrieren abzubauen, inklusive Bildung zu ermöglichen und Menschen mit Behinderung gleichberechtigt teilhaben zu lassen.

Die UN‑BRK fordert ausdrücklich:

  • frühzeitige Unterstützung,
  • barrierefreie öffentliche Räume,
  • inklusive Bildung,
  • kommunale Verantwortung für Teilhabe.

Das Anliegen von Domenica S. ist deshalb mehr als ein persönlicher Appell. Es ist ein Hinweis darauf, dass Inklusion dort beginnt, wo Menschen leben: in der Gemeinde, im Alltag, im direkten Umfeld. Wenn Riegelsberg Inklusion ernst nimmt, profitieren nicht nur einzelne Familien, sondern die gesamte Gemeinschaft. Denn eine Gemeinde, die Barrieren abbaut, schafft Räume für Begegnung, stärkt den Zusammenhalt und wird für alle lebenswerter.